Der Verdrüssliche

ISBN/EAN 978-3-8392-2811-1
Gmeiner-Verlag, Meßkirch/Deutschland, 507 Seiten
Erscheinungsdatum: 10.03.2021

 

Ein wertvolles österreichisches Kulturgut, die Skulptur „Der Verdrüssliche“ von Franz Xaver Messerschmidt, ist unter dubiosen Umständen ans Getty Museum von Los Angeles verkauft worden.
Das erfährt Dr. Carola Broggiato, eine ehemalige Mitarbeiterin des Bundesdenkmalamts, durch Zufall. Sie will mehr wissen, recherchiert und stößt auf Ungereimtheiten. Welche Rolle spielte der österreichische Staat beim Verkauf der Skulptur? In Wien beginnt ein Vexierspiel voller Überraschungen, bei dem so manches aufgedeckt wird, was andere lieber unter den Teppich gekehrt hätten.

„Ein Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert, und zugleich ein wunderbarer Krimi über Kunst, Korruption und die wechselhaften Wendungen der Geschichte in den letzten 250 Jahren.“
Gerhard Loibelsberger

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Leseprobe:
Carola Broggiato kramt umständlich nach dem Tablet. Schon wieder hat es sich verheddert. Weil sie immer alles ins gleiche Fach geben muss! Energisch schüttelt sie den
kleinen PC, bis der Schlüsselbund runter und zurück in die Tasche fällt. Schön pomali, Frau Hofrat, hat der Arzt gesagt. Der hat gut reden. Viel Zeit bleibt ihr nicht. Doch so hektisch braucht sie auch wieder nicht zu sein. Was macht sie überhaupt hier? Antworten auf die Fragen, die sie seit heute Morgen bedrängen, wird sie keine finden, aber Hilfe beim Ordnen der Gedanken. Carola atmet tief durch und streicht kreisend über die unangenehm spannenden Operationsnarben, ehe sie zu den Plastiken im hinteren Teil der Eingangshalle schlendert.
Links der Mann. Rechts die Frau. Ein vertrauter Anblick. Auch Wilfried bevorzugte die linke Seite. Im Bett. Eigentlich die rechte, von ihm aus gesehen, aber links, wenn sie davorstand und ihn anschaute. Anfangs erregt, später resigniert. Die Übergänge zwischen – endlich! – und – nicht schon wieder! – waren unmerklich aber stet verlaufen, während sie zusehends die Orientierung verlor. Aus diesem Irrgarten musste sie erst finden. Das hat sie geschafft. Ja doch! Oder bildet sie sich das bloß ein? Heute Morgen ihr Leeranruf. Hat sie tatsächlich geglaubt, Wilfried würde abheben?
Schluss damit! Darüber nachzudenken, bringt nichts.
Nur irgendwie hängt alles zusammen. Wilfried. Der Messerschmidt-Kopf. Die beiden Statuen vor ihr. Als eherne Zeugen einer anderen Welt haben sie Carola begleitet, neue Sichtweisen eröffnet und so manches emotionale Chaos geklärt. Es gibt immer einen Weg. Doch was erwartet sie dort, wo er aufhört? Zweifelt sie nun nicht genauso
an der Sinnhaftigkeit ihres Tuns, wie es Maria Theresia gegen Ende ihrer Regentschaft tat? Die alte Kaiserin hatte wenigstens ihren Glauben. Sie war reaktionär, intolerant, aber gefestigt. Kreuzkatholisch eben. Und Carola? Woran kann sie sich halten? An den erkenntnisreichen Rückblick vorm endgültigen Exit? Den kann sie vergessen. Sie muss froh sein, wenn sie palliativ sediert die richtige Kurve nimmt, nicht wieder aufwacht. Nur das nicht!
Davor will sie noch einmal tätig werden. Schwaches Fleisch, williger Geist. Ihr Gedächtnis ist trainiert. Nur manchmal diese blinden Flecken, die verunsichern. Ach
was! Es geht um den Überblick, nicht ums Detail. Sehr richtig! Und was sie nicht im Kopf hat, findet sie im Tablet, ihrem ausgelagerten Wissensdepot. Praktisch und viel
handlicher als die dicke Aktentasche, die sie in ihrer aktiven Zeit zu Besprechungen und Begehungen schleppte.
– Meine Verehrung, Frau Hofrat! Auch wieder einmal hier?
Der alte Vitochyl! Ein verhutzeltes Männlein, aber agil. Beneidenswert flott bewegt er sich auf Carola zu.
– Grüß Sie, Herr Doktor! Ich schau nach, was sich so getan hat. Und Sie?
– Ich besuch meinen Enkel.
– Ihr Nachfolger in der Mittelalter-Sammlung?
– Geh, der und kuratieren! Er macht’s Catering. So was wie a besserer Oberkellner is’ er, aber das darf i vor seiner Mutter net sagen. Schließlich wieselt er einmal hinter einem Ölscheich her, der den Schlossgarten für a Hochzeit gemietet hat, ein anderes Mal hinter der Direktorin, die Sponsoren zu einem Event begrüßt. Event, wenn i das schon hör!
– Na ja, auch Museen müssen sich immer wieder neu erfinden. Übrigens, seit wann sind denn die nicht mehr im Unteren Belvedere?
Carola deutet auf die Statuen. Herr Dr. Vitochyl senkt den Kopf und zählt an den Fingern etwas ab. Jahre? Ereignisse? Das begleitende Gemurmel ist zu leise, um erkennen
zu lassen, wie er sich ans Datum herantastet. Als er bei sechs angelangt ist, betrachtet er nachdenklich den hochgereckten Daumen.
– Anfang 2008. Richtig. Damals wurden die zwei Standbilder ins Obere Belvedere verbracht.
Was, so lange ist Carola nicht mehr hier gewesen? Genau zu der Zeit ging der Verdrüssliche nach Los Angeles. Zufall? Ja! Aber ein eigenartiger. Von den Akteuren sicher nicht bedacht. Bloß kein Aufsehen, alles schön glatt über die Bühne bringen. Ohne ihr morgendliches Stöbern im Netz wäre Carola nach wie vor ahnungslos. Keine einzige Zeitung hat damals den Verkauf vermeldet. Vor vier Jahren wäre ihr das nicht entgangen. Da war sie noch gesund.
– Kann ich sonst mit etwas dienen?
Freundlich schaut sie der ehemalige Kurator an.
– Danke, ich will Sie nicht weiter aufhalten. Ich hab ja meinen Aktenordner.
Carola hält ihr Tablet hoch. Herr Dr. Vitochyl nickt anerkennend.
– So ist’s recht. Hat mich g’freut.
– Mich auch.
– Servus, Frau Hofrat.
– Auf Wiedersehen, Herr Doktor.
Carola blickt dem davoneilenden Mann nach. Rennt, als ob er silberne Löffel gestohlen hätte. Von Vitochyls Energiereserven würde Carola gerne einige Liter abzapfen.
Damit könnte sie anders an ihre Recherchen herangehen.

 

Meinungen von Leserinnen und Lesern, veröffentlicht auf LovelyBooks, Amazon.de etc.:

Utili

*****

Ich liebe dieses Buch für seine wundervolle Sprache […] Es gibt großartige Dialoge im charmanten Wiener Dialekt, und gerade die Monologe des Verdrüsslichen höchst selbst versprühen einen unglaublichen feingeistigen Witz. Einfach großartig!

esposa1969

*****

Großartiges Lesevergnügen […] Zugegeben: Ich hatte noch nie zuvor von den Skulpturen des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt gehört, umso mehr faszinierte mich nicht nur das Cover […] und ich war auf den Inhalt und die Handlung gespannt. Ich wurde nicht enttäuscht.

wortwaerts

****

Ein Lesegenuss für Kunstliebhaber. Sympathisch, der Verdrüssliche!

Ehemann20

*****

Genüsslich, nicht verdrüsslich!

Einen roten Faden aus drei kräftigen Strängen hat die Wiener Autorin Eva Holzmair in ihrem wunderbaren Roman „Der Verdrüssliche“ geflochten. […]

Das Großartige an dem Buch sind die nuancenreichen Sprachspielfelder, mit deren Hilfe Eva Holzmair jeden ihrer Protagonisten sicher durch die raffiniert konstruierten Handlungsebenen führt. […]

Um es kurz zu machen: Das Ganze ergibt eine meisterhaft erzählte und zusammengefügte Geschichte über historische und aktuelle Abenteuer, Liebe und Bigamie, Nazis und Beutekunst, Korruption und Bürokratie, Heldenmut und Ganovenehre sowie Menschen zwischen Don Quijote und Robin Hood.

Das einzige Haar in dieser köstlichen „Suppe“ bleibt die Frage, ob es sich bei diesem Roman wirklich um einen (im Klappentext angekündigten) Krimi handelt. Aber ganz ehrlich: Beim „Verdrüsslichen“ sollte man diese Frage ebenso wenig stellen wie bei Umberto Ecos „Der Name der Rose“ oder Patrick Süskinds „Das Parfüm“.

ElliP

*****

Ein grandioses Lesevergnügen, bei dem der Leser selbst aktiv werden und mitdenken muss.

Die drei Erzählstränge  – fantasievoll, anregend und intelligent – sind miteinander verwoben, was sich erst nach und nach offenbart.

Ein besonders skurriler und famoser Erzähler ist der titelgebende Charakterkopf, der so viel erlebt, über die Jahrhunderte hinweg als genauer Beobachter die Welt und seine Umgebung betrachtet und Schlüsse gezogen hat – ein redseliger Alter, der sein Hier und Jetzt immer wieder forsch bezwingt und mit der Zeit geht – that’s the way you do it. Dann erleben wir die kluge, gezeichnete Carola, Frau Dr. Hofrätin, die sich noch einmal abschließend ihrer Lieblingsaufgabe widmet. Das Trio komplettiert Gitta, die empfindsame, fragile und talentierte Künstlerin, die dabei ist, das Leben zu üben und zu meistern. […]

Es geht um Kunst, um Kommerz, die Welt der Museen und der Meisterwerke, um Kunstmäzene, Raubkunst, Nazigrößen, Katzen und Ratten, Schein und Sein, letztendlich um das Wahre und Echte im Leben.

 

Buch des Monats Juli 2021 auf Maesli-Blog:

Der Verdrüssliche

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