Eva Holzmair
Roman
erschien am 15. September 2025
13,5 x 20,5 cm, 184 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-902717-83-2, € 22,–
Eva Holzmair
Roman
erschien am 15. September 2025
13,5 x 20,5 cm, 184 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-902717-83-2, € 22,–
In „Wolkenschwer“ führt uns Eva Holzmair nach und nach in die Welt des Altwerdens und Altseins ein. Auf sehr persönliche Art und Weise erzählt die Autorin davon, was es bedeutet, als Tochter einen Elternteil sukzessive an Demenz zu verlieren, welche Hürden ihr und ihrer Mutter auferlegt werden und wie es gelingt, dabei sich selbst und vor allem seinen Humor nicht zu verlieren.
Gleichzeitig gibt uns die Autorin einen Einblick in die Vergangenheit einer inzwischen fast ausgestorbenen Kriegsgeneration, in das Niederösterreich und Wien von damals und in die Gefühlswelt einer Generation, die von Verzicht und Traditionsbewusstsein geprägt war.
Eine Mutter-Tochter-Geschichte, die zugleich schmerzlich und berührend an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert und in ihrer Einzigartigkeit trotzdem auf uns alle verweist: auf das (kollektive) Erinnern, das Sterben und den Tod.
Textbeispiel:
„Ich hole die Fotoalben hervor, die alten, die, in denen Schwarz-Weiß-Fotos mit Zackenrand eingeklebt sind. Mit ihnen wird Mutters Gedächtnis munter. Sie zeigt auf vergilbte Gesichter und Landschaften. Die von Vater penibel hingemalten Bildunterschriften wären Gedächtnisstützen, doch sie weiß auch so, dass das eine Foto auf der Hochzeitsreise aufgenommen wurde, das andere auf einem Betriebsausflug. Sie studiert die Abgebildeten, nennt Namen, die mir nichts sagen.
›Die san scho olle gstorbn, nur die zwa, die lebn no. Und i.‹
Mutters Zeigefinger weist auf die junge Frau, die sie einmal war. Vorne in der Mitte thront sie, stolz, weil direkt neben dem Gerichtspräsidenten, obwohl nur Schreibkraft. Als Kleinste wirst du fürs Gruppenfoto nicht in die zweite oder gar dritte Reihe gestellt. Mutter lacht in die Kamera. Gepolstert die Wangen, dicht gelockt das Haar, zart der Brustansatz im dekolletierten Sommerkleid. Klein, aber oho!“
Video:
Interview im Kurier-TV vom 02.02.2026: https://kurier.tv/kurier-talk/kurier-talk-mit/403127862
Rezensionen:
Walter Pobaschnig in Literatur outdoors, 21. 10. 2025:
„Ein mitreißend humorvoller Generationenroman über die herausfordernde Zeitreise in das Alter!“
Ein Nachmittag der Generation – Oma, Mama, Enkel. Es geht im Gespräch um die Führerscheinprüfung. Nicht des Enkels, sondern der Oma. Für alle ein spannender Moment. Und die Oma bleibt dran. In Theorie und Praxis. Denn da braucht es in der Probefahrt „Geleitschutz“. Zwei Autos für drei. Und dann beginnt die Challenge zwischen Straße und Graben…
Und die Fahrt des Lebens geht auch abseits der Fahrprüfung weiter. Ebenen, Kurven, Steigungen – das Alter nimmt seinen Lauf und jetzt sitzen alle drin, alle Generationen, im Geleitschutz für die Oma, die immer mehr die Kontrolle am Lenkrad der Sinne in der Gegenwart verliert und sich an Stationen, Prüfungen des Lebens erinnert…
Jetzt machen alle den „Oma-Begleitschein“, in Theorie und Praxis des Lebens, eine Fahrt für alle in die Herausforderungen des Alters in der Familie…
Eva Holzmair, eine der spannendsten literarischen Stimmen der Gegenwart, legt mit „Wolkenschwer“ einen Generationenroman vor, der sich beeindruckend in sprachlicher Raffinesse zwischen Herkunft(Dialekt)sprache und Hochsprache dem Thema Alter und den Herausforderungen der Generationenfamilie in Alltagssituationen, Gesprächen, Begegnungen, Erfahrungen in Witz und Empathie stellt. Hervorzuheben ist die außergewöhnliche Erzählqualität, in der die so versierte Autorin wunderbar von Situation zu Situation zu überraschen weiß und so Leserin und Leser in Neugierde, Aufmerksamkeit und Humor bis zur letzten Seite perfekt mitgehen lässt.
Anni Lemberger in der Dorfzeitung, 19.12.2025
https://dorfzeitung.com/eva-holzmair-wolkenschwer/
„Mit spielerischem Wortgebrauch hat die Autorin aus einer wahren Geschichte einen spannenden Roman erschaffen.“
Die Autorin nimmt ihre Leser*innen mit auf eine ganz besondere Reise, in der sie facettenreich das Leben ihrer Mutter noch einmal nachempfindet – bis hin zum langsamen Verschwinden in der Dunkelheit der Demenz.
Maria, in ärmlichen Verhältnissen, aber in liebevoller Geborgenheit ihrer Eltern als Einzelkind aufgewachsen, wurde aufgrund ihrer Herkunft von ihrer angeheirateten Familie abgelehnt. Das hat sie ein Leben lang begleitet, wenngleich ihr Ehemann immer zu ihr gehalten hat. Beruflich hat sie jedoch als Schreibkraft bei Gericht einen durchaus anerkannten sozialen Status erreicht. Auch nach der Geburt ihres einzigen Kindes ging sie nach einigen Jahren wieder ihrer Berufstätigkeit nach, was für die damalige Zeit ein erstaunlicher Weg einer Ehefrau und Mutter war.
Holzmair pendelt in ihrem Buch zwischen Vergangenheit, Gegenwart und ihrer eigenen Erinnerung hin und her. Nach und nach lässt sie die Leser*innen teilhaben am Leben ihrer Mutter und ihrer eigenen Kindheit sowie der immer schwieriger werdenden Gegenwart im Umgang mit ihr. Dabei gibt sie berührende Einblicke in latent vorhandene Konflikte und ihre Auswirkungen auf die schwindenden kognitiven Leistungen von Maria. Sie schreibt lebendig und mit Galgenhumor über die zunehmende Belastung in der Interaktion, die zwischen Überforderung und liebevoller Sorge hin und her schwankt.
Birgitt Kofler in INGO, 13.01.2026
„Wolkenschwer“ zeigt Krankheit nicht als medizinischen Prozess, sondern als sozialen. Als eine Veränderung von Rollen, Kommunikationsformen und Verantwortlichkeiten.
„Wolkenschwer“ ist ein literarischer Text über die Entwicklung einer Erkrankung als Beziehungsgeschehen. Erzählt wird aus der Perspektive einer erwachsenen Tochter, deren Mutter zunehmend an Demenz leidet. Das Gedächtnis, das immer mehr Stützen braucht, die Verwirrtheit, der fortschreitende Verlust von Erinnerung, Orientierung und Selbstständigkeit verändert nicht nur den Zustand der Mutter, sondern vor allem auch die Beziehung zwischen den beiden Frauen. Die Tochter wird schrittweise zur Koordinatorin, Beobachterin, Entscheiderin und Verantwortlichen — ohne dass diese Rollen so klar benannt oder abgegrenzt wären.
Der Roman beschreibt keine dramatische Zuspitzung, sondern eine langsame Verschiebung von Realitäten. Was anfangs als Irritation erscheint, wird allmählich zum Alltag. Sichtbar wird dabei weniger der medizinische Verlauf der Erkrankung als vielmehr das Leben zwischen Terminen, zwischen Kontakten mit Institutionen, zwischen professioneller Hilfe und familiärer Verantwortung. Wartezeiten, Unsicherheiten, das Treffen wichtiger Entscheidungen und die emotionale Arbeit, die damit verbunden ist, stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Dazwischen liefern Rückblenden immer wieder Erinnerungen an die Kindheit der Ich-Erzählerin, an markante Erlebnisse, besondere Ausflüge und den Alltag mit den Eltern.
Der Text ist dabei keineswegs durchgehend schwer oder bedrückend. Immer wieder findet sich zurückgenommener, oft trockener Humor — nicht als Verharmlosung, sondern wohl als eine Form der Distanzierung, des Atemholens. Gleichzeitig lässt der Roman Leser*innen unmittelbar heran an intime Momente zwischen Mutter und Tochter, an Situationen, die üblicherweise privat bleiben. Diese Nähe macht erfahrbar, was sich hinter abstrakten Begriffen wie „Angehörigenarbeit“ oder „Belastung“ verbirgt.
Leser:innenmeinungen:
Rabea Reimer, 15. 10. 2025 auf diversen Plattformen (Amazon, LovelyBooks, Kulturkaufhaus, Heyn):
„Traurig, schmerzlich und schön – ein intimer Einblick in eine Mutter-Tochter-Geschichte beim Abschiednehmen.“
ElliP, 24. 10. 2025 (LovelyBooks):
„Abschied von der dementen Mutter – authentisch, intensiv, inhaltlich und sprachlich beeindruckend.“
Marie Meier, 27.10.2025 (Amazon):
„Großartig und voller sprachlicher Schönheit ist Holzmair auf der Suche, ringt nach Worten, versucht die Entwicklung der ehemals starken und geistig unabhängigen Frau zu beschreiben, fasst den Übergang und auch die Verwitterung zusammen, beschreibt den schmerzhaften Prozess des Verfalls.“